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Deutsche Bibliothek - ISSN 1616-1831
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09.05.2000

Technische Analyse, Chartanalyse, Charttechnik von Aktien und Indices

In dieser Ausgabe werden folgende Werte untersucht:

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VerticalNet Inc.

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www.taprofessional.de, Di, 09.05.2000, ld.
Die spekulativ ausgerichtete Anlegergemeinde reagierte euphorisch als im letzten Jahr neue Aktien des Bereichs Business to Business, kurz B2B, an die Börse gingen. Den virtuellen Handelsplattformen für Unternehmen wurden Milliarden-Umsätze zugetraut. Nach der Euphorie herrscht Katerstimmung - die B2B-Aktien stürzten nach ausserordentlichen Höhenflügen regelrecht ab.

Wie bei allen anderen startete die Hausse von VerticalNet im August-September. Im Sommer vorher konsolidierte VerticalNet eher seitwärts - wenn man von Konsolidierung bei einer Range von mehr als 100 Prozent Toleranz überhaupt sprechen kann.

Ab Ende September explodieren die Kurse von etwa 15 Euro auf 150 im High, was einer Ver10fachung in nur 4 Monaten entspricht. Immerhin liess sich selbst bei dieser extremen Rally eine untere (blaue) Aufwärtstrendlinie einzeichnen.

Chart: VerticalNet Inc.
Im Februar läuft VerticalNet erstmals aus diesem Trend und liefert spätestens im März ein weiteres Warnsignal, als ein zweiter Test des Tops 150 auf diesem Niveau versagt. Ein Double-Top entsteht.
Zur gleichen Zeit hatten wir an dieser Stelle im NASDAQ Composite Index eine extreme Überbewertung diagnostiziert (siehe Online-Ausgabe Nr.14 vom 15.03.2000).

Mit dem Schnitt der kurzfristigen Durchschnittslinie und dann dem Februar-Tief bei 95 war die Trendwende bei VerticalNet Ende März komplett. Danach folgt in rasender Geschwindigkeit eine Bewegung, die sich viele Anleger im Februar-März sicher nicht vorstellen konnten - VerticalNet gibt fast alle der in der Jahresendrally aufgebauten Kursgewinne wieder ab.

Charttechnisch verhielt sich die Aktie damit einwandfrei. Nach extremer Überbewertung schrumpft die spekulative Blase bis (fast) auf das Ausgangsniveau - der nächsttieferen Unterstützung. Dies war in diesem Fall die alte Widerstandslinie im Bereich 30 Euro, die nun Unterstützung ist.

Dass VerticalNet momentan zurückschnellt, ist nach 75 Prozent Verlust in gut einem Monat(!) völlig normal. Das muss noch lange nicht die untere Wende sein. Diese benötigen üblicherweise mehr Zeit.
Mehr als eine äusserst spekulative Trading Chance sehe ich hier noch nicht.

TIPP: Schon in den Uptrends war es vonnöten, mit Stopps zu arbeiten. Wenn man eine Korrektur in der Korrektur reiten will, sind Stopps sozusagen Vorschrift - der übergeordnete Trend ist im Moment negativ!
Das neutrale bis negative Rating von VerticalNet verbessert sich erst leicht mit Kursen über 100 Euro.

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Ariba Inc.

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Das Kursverhalten von Ariba ist im Verhältnis zu VerticalNet stabiler. Der Aufwärtstrend beginnt etwas früher, Ariba geht vom Start weg über in einen Aufwärtstrend. Mit 1020 Prozent liegt die Toleranz in etwa so hoch wie bei VerticalNet.

Chart: Ariba Inc.
Auch Ariba beendet im März den Aufwärtstrend. Vom Top 175 gibt der Kurs in der Korrektur bislang etwa 63 Prozent ab.

Charttechnisch ist Ariba momentan neutral bis negativ. Es gibt eine leichte Unterstützung bei etwa 80 Euro, aber auch einen stärkeren Widerstand bei 95-100 Euro. Erst über 120 verbessert sich das charttechnische Rating deutlich.

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Citigroup Inc.

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Links im Schaubild des Citigroup-Charts ist noch das Double-Top des Jahres 1998 zu sehen. Die Aktie verliert nach Vollendung der Umkehrformation durch den Bruch der Neckline bei 38 Euro mehr als die Hälfte ihres Kurswertes. Der mit Abstand stärkste Einbruch seit Jahren.

Ab Oktober kehrt Citigroup zurück in den primären, mehrjährigen Aufwärtstrend.
Nach solch schwerwiegenden Formationen wie des Double-Tops von 1998 ist das spätere Verhalten interessant, wenn diese Kurslevel wieder erreicht werden. Nach einem Jahr ist das im Sommer vergangenen Jahres der Fall. Über Monate wird Citigroup im Top-Bereich knapp unter 50 Euro aufgehalten, kann diesen Widerstand aber zum Ende des Jahres kraftvoll überwinden.

Chart: Citigroup Inc.
Und selbst nach dem positiven Break wirkt die 98er Formation noch nach: von November bis etwa März enden die temporären Abwärtskorrekturen jeweils auf dem Ex-Widerstandsniveau. Erst ab Mitte März kann sich Citigroup nachhaltig von dieser Marke entfernen, wodurch der Aufwärtstrend nochmals bestätigt wird.

Der Trend von Citigroup ist langfristig vollständig intakt und positiv. Während sich TMT-Werte halbierten oder drittelten, steigt Citigroup. Wenn man sich so eine Aktie ins Depot legt, verringert man das Risiko des gesamtem Depots enorm. Einziges Manko - die historische Performance von Citigroup ist natürlich schwächer (vergleichen Sie die Toleranz-Werte unten links im Chart).

Chart: Citigroup Inc.

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Walt Disney

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Auch der Wall Street Klassiker Walt Disney ist ein geeignetes Gegengewicht für eine ansonsten hightech-lastige Anlage. Die langfristige Performance ist mit knapp 740 Prozent seit 1990 gut. Aber natürlich nicht zu vergleichen mit den Gewinnen von Aktien aus dem TMT-Sektor. Während eine VerticalNet oder Ariba innerhalb von 6 Monaten - zumindest zeitweilig - eine Ver10fachung erreichen, benötigt eine Walt Disney dafür mehr als 10 Jahre.
Wie hoch aber das Risiko der ersteren Werte ist, wurde in den letzten Wochen mehr als deutlich.

Chart: Walt Disney
Die Chartkurve von Walt Disney läuft dagegen seit Jahren sehr stetig aufwärts. Nur seit Ende 1997 verletzt die Aktie den stetigen Trendkanal vermehrt. Zum Jahreswechsel 1997-1998 übertreibt Walt Disney als sie über die (rote) Widerstandslinie des Kanals steigt. Die Quittung folgt schnell und wirft die Aktie charttechnisch einwandfrei zurück bis die untere (blaue) Begrenzung wieder erreicht wird. Dieses hervorragende Verhalten zeigt die Aktie seit Jahren.

Dennoch ist Walt Disney m.E. momentan kein Kauf - im März schiessen die Kurse wieder über die (rote) Kanalbegrenzung. Zieht man z.B. einen Trendbestätigungs-Indikator (TBI) zu Rate, wird die momentane Übertreibung noch deutlicher. Der TBI entwickelt zur Zeit Rekordwerte, die weit über den Extrema der letzten 10 Jahre liegen.
Abwarten.

Chart: TBI: Walt Disney

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Philip Morris Inc.

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Im Moment gibt es einige amerikanische Blue Chips, die nach schweren Verlusten wieder anziehen. Niedrige KGV's unter 10 sind auch sehr verlockend und versprechen Sicherheit.
Der Tabakkonzern Philip Morris hat im Zuge der Anti-Raucher-Bewegung und entsprechender Rechtsurteile 1999 deutlich nachgelassen. Aber das Unternehmen verdient natürlich trotzdem gut - Rauchen macht bekanntlich süchtig. Besonders nachdem die fast 3 Jahre währende Unterstützung bei ca. 35 Euro gebreakt wurde, stürzte Philip Morris ab.

Chart: Philip Morris Inc.
Die seit 1991 existierende Unterstützung bei 22 Euro konnte den Fall nicht gänzlich abbremsen. Die Kurse rutschten noch eine Etage tiefer und stoppten erst bei 20 Euro. Der unteren Begrenzung der Trading Range von 1991-92.

Es sieht so aus, als wäre die Erholung seit Mitte Februar mehr als eine reine Konsolidierung. Mit Überschreitung von 22 Euro hat Philip Morris ein frühes Kaufsignal geliefert. Relativ sicher wird die Trendwende mit Kursen über dem kleineren Widerstand bei 26-27 Euro.


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Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
09.05.2000
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