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| D a s e Z i n e d e r T e c h n i s c h e n A n a l y s e |
| Deutsche Börse DAX Prognose |
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Das Jahr des Turnarounds, 2003, war im Nachhinein betrachtet, ein Top-Börsenjahr, dem ganz typisch ein Jahr der Konsolidierung folgte, wie man es auch 1994 miterleben konnte. 2004 hat der DAX Monate lang eine ganz gewichtige Widerstandszone bearbeiten müssen. Dieser sehr langen Schiebezone im Bereich von 4000 Punkten folgte Anfang des Jahres 2005 der Break nach oben, der die langfristige Trendwende eindeutig werden ließ.
Daß es im vergangenen Jahr 2005 nahezu so schnell zur Sache ging wie in 2003, ist charttechnisch einwandfrei. Wie sehen im obigen, langfristigen Candle-Stick-Chart auf Monatsbasis, daß sich im Bereich 4000-5400 Punkte nahezu keine bedeutende Widerstandszone befindet. Entsprechend schnell hat der DAX diese "freien" Raum nach oben durchschritten.
Übrigens war es als Börseninformations-Anbieter im letzten Jahr erstmals seit der Top-Umkehr in 2000 deutlich spürbar, daß Aktieninteressenten zurückkehren, die nicht permanent an der Börse spekulieren. Artikel-Abrufe stiegen an, auch Verkäufe von Software, steigendes Interesse an Seminaren wurde offensichtlich. Um es vorweg zu sagen, dermaßen stark wie im Hausse-Abschluss 1999 war und ist das Interesse gemessen an diesen internen Indikatoren noch längst nicht. Daraus ist m.E. allerdings nicht zu schließen, daß wir uns noch nicht in einer Übertreibung befinden, denn die Hausse zum Ende des letzten Jahrzehnts und -tausends war nahezu beispiellos extrem.
http://www.taprofessional.de/seminare/
http://www.taprofessional.de/buecher/
http://www.taprofessional.de/software/
Im folgenden Candle-Stick-Chart auf Wochenbasis wird durchaus deutlich, daß der deutsche Markt charttechnisch nicht mehr als neutral anzusehen ist. Im großen und ganzen wird die zurückliegende Bewegung seit dem Extremtief 2200 im Jahr 2003 von TA professional in drei Phasen eingeteilt: Unter 4000 und insbesondere unter 3000 war der Markt völlig unterbewertet, es war nahezu idiotensicher, den DAX zu kaufen. Im letzten Jahr hat der DAX mit Kursen zwischen 4000 und gut 5000 Punkten den Bereich der neutralen Bewertung ziemlich schnell durchlaufen. Und jetzt, weit über 5000 in der greifbaren Nähe von 6000 Punkten beginnt die deutsche Börse m.E. zu übertreiben.
Wenn Sie die größer werdenden Abstände der Index-Kurve zur langfristigen gleitenden Durchschnittslinie verfolgen, sehen Sie deutlich, daß die Differenz immer kräftiger wird. Gleiches zeigt der jeweils den DAX-Charts unterlegte GLD-Differenz-Indikator. Bereits ohne Zuhilfenahme einer solchen Visualisierung ist im ca. 2,5 Jahre darstellenden zweiten DAX-Chart erkennbar daß sich gut mit einer (blauen) Aufwärtstrendlinie beschreibenden Aufwärtsschübe seit August 2004 immer steilen nach oben bewegen. Klarer Momentum-Gewinn. Anhand der GLD-Differenz-Indikatoren wird aber klar, daß die Übertreibung, in die wir zur Zeit hineinlaufen, noch nicht so stark ausfällt wie Ende 2003. Und ganz und gar nicht wie in den Super-Hausse-Jahren 1997, 1998 und 1999-2000.
Während der DAX mittelfristig formal noch keine Schwäche zeigt, ereignete sich jedoch am Rentenmarkt in den letzten Wochen eine dramatische Entwicklung. Sehen Sie hierzu im folgenden Chart den Bund-Future, der bereits im vergangenen Jahr nach einer Top-Umkehrformation "roch". Die alten Hasen wissen, daß die Trends am Anleihemarkt außerordentlich wichtig für den Aktienmarkt sind, weniger erfahrene Börsianer wurden damit in den letzten Jahren nur noch nicht konfrontiert: im zweiten, langfristigeren Chart des Bund-Futures und danach der Umlaufrendite ist zu sehen, daß die deutsche Kapitalmarktrendite (bis auf 1999) nahezu permanent abwärts wandert.
Sinkende Renditen am Kapitalmarkt sind selbstverständlich ein idealer Nährboden für steigende Aktien. Denn die nahezu risikolose Rendite der Anleihen steht in direkter Konkurrenz mit der von Aktien, die keineswegs risikolos sind, wie sicher jeder Börsianer schon einmal erlebt hat.
Okay - mit dem Tief von ca. 2,84% im September 2005 hat die Umlaufrendite ein Rekordtief markiert, das unter anderem Ausdruck der schwachen konjunkturellen und der Preis-Entwicklung ist. Vor ca. 25 Jahren, im September 1981 stieg die Umlaufrendite über 11,4% und würgte so manchem Häusle-Bauer den finanziellen Atem ab. Das momentane Zinsniveau muß demnach weiterhin als extrem angesehen werden und wie wir wissen, folgen extremen Über- und Unterbewertungen irgendwann Trendwenden.
Der Bund-Future eröffnet mit dem Break der Unterstützungszone von 120 durchaus eine mögliche langfristige Trendwende. Die (blaue) Aufwärtstrendlinie seit dem Tief in 2002 ist damit signifikant durchbrochen worden (gelb markiert).
Noch wird der Bund von der ehemaligen 98er Top-Marke (nun Unterstützung) aufgehalten, die Umlaufrendite gerät nach dem Break des Widerstands 3,4% in die breitere, nächsthöhere Widerstandszone knapp unterhalb 4%. Aber - wenn die Umlaufrendite 4% überschreitet, dann sind sehr schnelle Bewegungen in Richtung 5% absolut denkbar. Das wäre Gift für den Aktienmarkt, da eine solche Entwicklung eine langfristige Zinswende nach Jahrzehnten bedeuten könnte.
Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zinswende sind gegeben: in den USA erhöht die Notenbank massiv seit etlichen Monaten - bislang ohne nachhaltige Reaktion bei den Bonds, in Europa beginnt die EZB jetzt sehr verspätet zu folgen, in Japan wird jetzt nach einer sehr langen, historisch außergewöhnlichen Null-Zins-Phase die geldpolitische Wende eingeleitet.
Die Tendenz der Kapitalmarktrenditen mag den einen oder anderen langweilen, aber TA professional ist der Meinung, daß man diesem Bereich zukünftig erhöhte Aufmerksamkeit schenken sollte. Wir wurden seit Anfang der 80er Jahre verwöhnt mit tendenziell nahezu ständig sinkenden Renditen. Mit 2,8% haben wir das Tief in Deutschland womöglich gesehen und eine Trendwende bei den Anleihen könnte in Folge einen Einbruch einleiten, der seitens der Dramatik dem Ausmaß des Aktien-Crashs 2000-2003 in nichts nachsteht!
Für den breiten Aktienmarkt ist eine solche Zinswende normalerweise fatal. Eine nachhaltige Zinswende ist ein schlagkräftiges Argument contra weiter steigenden Aktien-Kursen. Insbesondere weil die Masse, die heute am Markt agiert, damit keinerlei Erfahrung hat.
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Natürlich gibt es auch noch etliche Pro-Argumente zu nennen. Der deutsche Aktienmarkt ist seitens der Kurs-Gewinn-Verhältnisse immer noch nicht teuer, eher neutral bewertet. Das liegt an den außerordentlichen Gewinnsteigerungen (bzw. Verdopplungen) der Unternehmen, die allerdings hinter uns liegen und dieses Jahr nahezu garantiert nicht mehr wiederholt werden können. Abgesehen davon basieren diese (zurückliegenden) Gewinnsteigerungen vielfach auf dramatischen Einsparungen im Personal. Frei gemäß den Ansichten von Bertolt Brecht ist die Hitze und der Druck, den Sie womöglich zur Zeit an Ihrem Arbeitsplatz spüren, eine direkte Folge der Rendite-Jagd, des Shareholder Value-Ansatzes, den die Bevölkerung ohne Aktien längst als krankhaft ansieht. ("Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen. Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen wie man schneller sägen konnte, und fuhren mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen schüttelten die Köpfe beim Sägen und sägten weiter." Gedichte im Exil, 1935)
Angesichts des Index-KGV, das momentan auf ca. 12 geschätzt wird und im Schnitt normalerweise bei 14-15 lag, haben wir noch Luft nach oben. M.E. auch hinsichtlich der Marktpsyche, wie es oben bereits kurz angesprochen wurde. Märkte steigen an einer Wand der Angst. Und die Befürchtungen, die momentan vielerorts geäußert werden, daß der Markt drehen könne, sind gerade unüblich für einen bedeutenden Hochpunkt. Eine Hausse stirbt in der Euphorie, wenn kaum eine Warnung durch den Äther geht. Wirklich kritisch wird es, wenn genau die Leute die Möglichkeiten der Börse lobpreisen, die sonst nie mit Aktien zu tun haben. Rein subjektiv betrachtet, sieht der Autor dieser Zeilen diesen Zeitpunkt noch nicht gekommen. Oder haben sie den Eindruck, daß Aktien-Outsider in Ihrem Bekanntenkreis wieder investieren? Fragen Sie einmal nach! Sich für solche Trends zu sensibilisieren, kann durchaus wertvoll sein.
Ein weiterer Punkt, der nicht dafür spricht, daß die Party bereits vorbei ist, sind die geringen Aktienanteile der Riesen, d.h. der Versicherungen. Wahrscheinlich können sich noch einige unter Ihnen erinnern - laut diversen Meldungen reduzierten die Versicherungen vor drei Jahren genau zum falschen Zeitpunkt dramatisch, als der DAX richtig kräftig in Richtung 2000 Punkte fiel. Laut der West LB lag die Aktienquote der Lebensversicherer auf dem Höhepunkt der Hausse bei einem Rekordwert von gut 26%. Im Zuge der Baisse wurde sie auf unter 9% gedrückt. Milliarden wurden dabei verloren, ein Trauerspiel der angeblichen Experten.
Und selbst jetzt, nachdem sich der DAX von 2200 auf 5900 Punkte um knapp 170% verbessert hat, soll der Aktienanteil der Milliarden schweren Institutionen Branchenschätzungen zufolge nur knapp über 10% liegen. Ein gebranntes Kind scheut halt das Feuer - nur sollte man dieses Verhalten an der Börse nicht gerade von "Finanzexperten" erwarten.
· siehe auch: faz.net: Lebensversicherer erhöhen Aktienquote vom 13.6.2005 mit aufschlußreicher Info-Grafik
Als letztes Pro-Argument soll genannt werden, daß sich bislang noch keine bedeutende Umkehrformation entwickelt hat. Der DAX-Trend ist noch als vollkommen intakt anzusehen, bis auf die Tatsache, daß mit dem zunehmenden Momentum nicht mehr von einer völlig "gesunden" Aufwärtsbewegung gesprochen werden kann.
An dieser Stelle wird insofern folgender Fahrplan gesehen: die 6000 Punkte sind greifbar nahe und werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von uns gesehen. Es wäre unvollständig "vom Markt", wenn er diesen Test nicht brächte. Deutschland wird seit geraumer Zeit als Turnaround gefeiert, so wie es vor Jahren in zurückliegenden TA pro-Artikeln gehofft wurde - da kann Merkel machen oder lassen, was sie will.
In die Nähe der Übertreibungsgrade 07-1998 und 03-2000 sind wir seitens der Technischen Analyse noch längst nicht gekommen, selbst der von 01-2004 ist noch nicht erreicht. Das vorläufige Ziel ist knapp 6200, mehr ist m.E. für die nächsten Monate
nicht drin. Knapp 6200 Punkte wären ein idealer Startpunkt für eine Korrektur, die - wie saisonal üblich - im Sommer laufen könnte, ca. ab Mai-Juni.
(Schauen Sie im Langfrist-Chart, der Bereich 6200 ist die linke Schulter der großen Head and Shoulders-Umkehrformation 1998-2002. Sowohl die bei 5500 im April 2002 verkümmerte rechte Schulter als auch die abwärts tendierende Neckline (Tiefs 10-1998 und 09-2001) haben damals völlig korrekt dramatische Warnsignale geliefert.)
Gruß und Erfolg, Lutz Düvel
21.3.2006
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